Tresnuraghes

Tags zuvor fuhren wir durch den Ort Tresnuraghes. Heute gingen wir in die Vollen und besuchten gleich drei Nuraghe(n), auch wenn die vorerst überhaupt nichts mit dem zuvorgenannten Ort zu tun haben, obwohl es dort sicher auch drei Nuraghen gibt.

Nuraghe Santa Barbara

Nuraghe? Im zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung waren die damaligen Inselbewohner, genannt „Nuragher“, ganz eifrig „Nuraghen“ zu errichten – beeindruckende, mehretagige (bis zu drei!) hohle Türme, Bastionen, Festungen aus geschichteten, großen, teils bearbeiteten Basaltfelsbrocken zu errichten. Alles ohne Zement oder so, nur Stein auf Stein. Es soll davon auf Sardinien mehrere tausend(!) geben oder gegeben haben. Sie enthalten um eine zentrale Kammer mit „falscher Kuppel“ und Nischen und Fenstern/Schießscharten/Lüftungslöchern meist zwischen Außenmauer und Kammer eine innenliegende Wendeltreppe aus Stein zur nächsten Etage oder Terasse. Nach dreitausend Jahren haben wohl alle Nuraghen ihre obersten Terassen und Etage verloren – sei es wegen Verfalls oder Wiederverwendung des Baumaterials – dennoch sind noch viele erhalten und können besichtigt werden.

In der Kammer von Santa Barbara

Als erstes stand Nuraghe Santa Barbara auf dem Programm, sie ist nur über einen Schnellstraßenrastplatz erreichbar. Kaum dass wir dort menschenseelenallein geparkt hatten, begrüßte uns ein kleines Hündchen und begleitete uns den mit Natursteinmauern gesäumten Weg den Hügel hinauf zur Nuraghe. Dort erforschten wir dann mit Taschenlampen die dunklen Kammern und Gänge der Nuraghe. Faszinierend!

Innenhof der Nuraghe Santu Antine

Nach dieser „einfachen“ Nuraghe ging es weiter zur Nuraghe „Santu Antine“ in der Nähe von Torralba. Diese ist touristisch erschlossen, es kostet Eintritt und einmal pro Stunde gibt es eine Führung, wenn man Glück hat auch auf Englisch. Also warteten wir bis zum nächsten Führungstermin, um dann gesagt zu bekommen, dass die Führung auf Italienisch wäre, wir eh nichts verstehen würden und da außer uns keiner weiter da war sie gleich ganz ausfiele. Ja, danke.

Nuraghe Santu Antine mit umliegenden Grundrissen

Also erforschten wir auch diese Nuraghe auf eigene Faust. Hier ist der zentrale große Turm vermutlich nachträglich von drei weiteren kleineren Türmen mit je einer Kammer und Verbindungsgängen unten und einer Terasse/Wehrgang oben umbaut worden. An einer Seite gibt es zwischen Außenmauer und Zentralturm auch noch einen Hof, der Zugänge zu allen Teilen und ganz wichtig einen Brunnen beherbergt. Bis heute ist die genaue Funktion der Nuraghen nicht sicher. Die Nuragher hinterließen leider keinerlei schriftliche Zeugnisse. Auch wenn die Türme sehr wehrhaft aussehen wird eine vorrangig militärische oder religiöse Nutzung bezweifelt. Vermutlich lebten die Nuragher in kleinen Gemeinschaften und schützten so ihre Trinkwasserquellen und Nahrungsvorräte. Streitigkeiten unter den verschiedenen Gemeinschaften kann es aber natürlich auch gegeben haben.

 

Nuraghe Oes

Oben von Santu Antine entdeckte ich gleich noch eine Nuraghe in der Nähe. Ich dachte zunächst es sei ein riesiger Holzstapel, da es von der Seite und aus der Entfernung sehr rot und ebenmäßig aussah. In der Touristeninformationen sagte man mir dann, dass es die Nuraghe Oes sei und man auch auch dort hingehen könnte. Das taten wir dann auch. Von der Straße war es noch einen Spaziergang entfernt. Vor Ort mussten wir dann aber feststellen, dass der Eingang verschüttet war und man sie nur von außen umrunden konnte.

Alles in allem ein sehr interessanter Einblick in die sardische Geschichte!

 

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