Archiv des Autors: Ole

1300 km

Die Einrad-WM ist zu Ende, die Einräder sind bei Freunden verpackt, da galt es für uns Strecke in Richtung Südwesten zu machen. Wir sind früh aufgestanden und haben viele verschiedene Züge genommen um 1300 km bis Südfrankreich zu fahren.

Etappe 0: Tschüss Steyr! Ein letzter Blick auf dem Weg zum Bahnhof
Etappe 1. Steyr -> St.Valentin (ÖBB / S1 – Schienenersatzverkehr)
Etappe 2: St.Valentin -> Linz (ÖBB / IC 540)

Etappe 3: Linz -> München (ÖBB / RJX 260)

Etappe 4: München -> Karlsruhe (DB / ICE 566)
Etappe 5: Karlsruhe -> Avignon (SNCF / TGV 9580)

Auch die französische Bahn SNCF kann Verspätung. An der Grenze bei Straßbourg galt es einen weiteren TGV-Teil anzukoppeln, der war aber noch nicht bereit. So kamen wir erst 30 Minuten später in Avignon an – und verpassten im Hotel in Avignon den Anfang von „Fort Boyard“ auf France 2.

Seit 37 Saisons Samstag-Abend-Unterhaltung im Sommer im französischen Fernsehen: Fort Boyard

Cyclocross

Am letzten Tag der UNICON stand noch eine große Disziplin auf dem Programm: Cyclocross. Es wird üblicherweise mit dem Mountain-Einrad (Muni) ein Rundkurs gefahren, der mit allerlei unterschiedlichen Hindernissen und auf unterschiedlichen Untergründen gefahren wird. Am Start warteten die Einräder aller Teilnehmenden als erstes Hindernis.

Cyclocross-Start

Es gab dieses Mal auf dem Parcours außerdem zum Beispiel Hürden, Paletten-Treppen, Palettenstapel, eine Sprinkleranlage, einen Spielplatz mit Sandkasten, Wippe (oben drüber), Rutsche (unten durch). Da ich etwas angeschlagen war, war ich dieses Mal nicht als aktiver Teilnehmer sondern als Helfer und Streckenposten dabei.

Helfer Ole beim Palettenstapel und Einradfahrer mit Bierdosen-Challenge

Wer schafft es in einer vorgegebenen Zeit von 30 bis 45 Minuten die meisten Runden zu fahren?

Einrad-Dino-Dame mit Helferinnen

Diese Disziplin nehmen aber nicht alle so bierernst, so dass sich manche Teilnehmende auch andere Ziele setzen oder kostümiert fahren. Da gab es als Teilnehmende zum Beispiel den einradfahrenden Dino, die betrunkene Einrad-Piratin, den Einradfahrenden Popcorn-Mann, der allen Streckenposten Popcorn anbot. Auch wenn es erlaubt ist, über die Hindernisse zu laufen, versuchten manche die Strecke auch wirklich komplett auf dem Einrad zu fahren oder zu hüpfen. Einer ist eine Runde sogar rückwärts gefahren.

Die Palettentreppe kann überfahren oder überlaufen werden

Die Zuschauer mischten sich auch ein und forderten die Teilnehmenden auf, sich mit Aufklebern oder Accessoires zu verzieren, eine Runde eine offene Bierdose mitzunehmen ohne etwas zu verschütten (Hill-Climb-Racing-Einradfahrer lässt grüßen?) oder spritzen mit Wasserpistolen.

Während Ole seine Zeit beim Cyclocross verbrachte, haben Birgit und Bruno unsere deutschen Mannschaften bei den Platzierungsspielen für das Hockey B Finale unterstützt. Leider konnte Deutschland-Schwarz das Finalspiel nicht für sich entscheiden und musste sich den Uniwheelers geschlagen geben.

Danach waren wir nochmal im Stollen der Erinnerung, weil wir beim Besuch am Mittwoch nicht alles ansehen konnten. Die nette Dame an der Kassa hatte und schon angekündigt, dass sie uns nochmal rein lassen würde. Das Angebot nahmen wir dankend an. Dort gab es wieder Abkühlung und wir haben aus dem Fairteiler am Arbeitsmuseum noch einen leckeren veganen Mandeljoghurt mitgenommen.

Auf den Rückweg durch die Steyrer Gassen mussten wir dann auch noch in die Michaelerkirche. Die ist ein architektonisches Meisterwerk, das sehr wirkungsvoll auf einem kleinen Hügel erbaut wurde. Natürlich wurde auch in dieser Kirche wieder Orgelmusik gespielt. Da geben sich die Österreicherkeine Blöße. Leider ist der Dachstuhl ziemlich baufällig und es wird Geld für die Sanierung gesammelt.

Triathlon

Das Freibad ist vorbereitet

Da wir beim Hockey am Dienstag mit Platz 3 in der Vorrunde gut abschnitten, hatten wir heute Vormittag keine Platzierungsspiele, sondern konnten beim (ersten?) Einrad-Triathlon mitmachen.

Die übliche Einrad-„Ordnung“ am Triathlon-Start
Triathlon-Anmeldung und Wechselzone 1

Neben mir und ein paar meiner Teamkolleg*innen machten auch noch über 100 andere Einradfahrer*innen mit. Der Triathlon bestand aus 300 m Schwimmen, 5 km Einradfahren und 2 km Laufen.

Triathlon-Karte auf Open Street Map

Also trafen sich alle früh 7:00 Uhr im Freibad Garsten südlich von Steyr zur Einweisung und Einteilung.

Triathlon-Start

Um kurz nach 8 Uhr ging es los. Bis zu 24 Triathleten gingen pro Welle auf einmal an den Start ins Becken. So 6 Bahnen auf Zeit zu schwimmen war irgendwie ganz schön anstrengend. Nach dem Schwimmen hieß es schnell Radfahrsachen, Schuhe, Schützer und Helm anziehen und mit dem Einrad der Wahl 5 km an der Enns entlang zurück nach Steyr fahren, dabei konnte ich mich vom Schwimmen „erholen“. An Wechselstelle 2 angekommen legte man Einrad und Helm beiseite und lief noch eine 2-Kilometer-Runde, das war dann auch wieder etwas anstrengender.

Lauf Ole, lauf!

Aber am Ende habe ich es alles geschafft und meinen ersten Triathlon absolviert! Danach konnte man direkt neben dem Ziel gleich noch mal in der Enns baden gehen.

Ergebnisse: 66 Frauen und 55 Männer haben beim Triathlon bis ins Ziel durchgehalten. Ich bin mit 0:37,13 als 32 Mann ins Ziel gekommen.

Wechselstelle 2 und Ziel

Nachmittags standen dann beim Hockey-B die Platzierungsspiele auf dem Programm. Heute war das Glück dann allerdings nicht auf der Seite der Dresdner Einradlöwen (oder waren wir zu erschöpft vom Triathlon?). Leider haben wir die drei Platzierungsspiele gegen „Fighting Pasta“, „Australia B“ und „Wales U21“ jeweils knapp mit einem Tor bzw. zwei Toren Unterschied verloren und landeten damit am Ende auf Platz 14 von 28.

24-Stunden-Weltrekordler bei Tag und Sonne

Nachdem auf der Rennbahn all die Rennen über 100m, 400m, 800m, 30m Wheelwalk, 50m Einbein, 4x100m Staffel, Gliding, Coasting und IUF-Slalom ausgetragen waren, übernahmen heute ein Japaner und eine Niederländerin das Stadion und stellten neue 24-Stunden-Weltrekorde auf. Von Donnerstag 10:15 bis Freitag 10:15 wollten sie so viele Runden wie möglich drehen und gönnten sich alle paar Stunden auch kurze Pausen.

24-Stunden-Weltrekordler bei Nacht und Regen

Nachdem die beiden dann fertig waren, übernahm dann der nächste Einradfaherr die Rennbahn und versuchte sich an einem 100-Meilen-Weltrekord…

Große und kleine Kreise ziehen

Mittwoch, 05.08.2026

Heute stand mal nicht so viel auf dem Programm. Neben den 400m-Läufen gab es für mich auch noch die 4x100m-Staffelrennen auf dem Programm. Das läuft ganz wie bei der Leichtathletik mit Staffelstab und Übergabezonen ab. Ich bin mit Till, Clemens und Matteo als „Die Wackeltruppe“ angetreten. Alle Wechsel haben geklappt, niemand wurde wegen Bahn-Verlassens disqualifiziert, wir sind ins Ziel gekommen, yeah! In unserem Lauf sind wir als dritte von sechs Staffeln bei 1:10:00 ins Ziel gekommen, für das Finale hätte es eine Zeit unter einer Minute sein müssen.

Später haben wir uns dann im Stollen der Erinnerung abgekühlt. Dort ist ein Museum über das Arbeitslager untergebracht, dass es zur Nazizeit in Steyr gegeben hat. Das war also kein KZ, aber die Beschreibung der dortigen Lebensbedingungen klang auch kaum besser. Man hatte zu Beginn noch freiwillige Arbeiter im Ausland angeworben, die man dort einfach mit interniert hat. Die Arbeiter mussten auch den Stollen anlegen, in dem tatsächlich auch Raum für sie selbst vorgesehen war. Dennoch schien man auch auf die so kriegswichtigen Arbeiter im wiederholten Einzelfall verzichten zu können, wenn sie sich kleinerer Vergehen schuldig gemacht hatten oder schlicht krank wurden. Das Lager hatte ständig Bedarf an neuen (und mehr) Arbeitskräften, was im Konflikt mit dem Bedarf an Nachschub für das örtliche Krematorium stand.

Zum Ende des Krieges war das Lager zudem Ziel von Todesmärschen und später als Wohnort für „displaced persons“. Inzwischen wurde es aber komplett abgerissen.

3 x 3 = 9 ?

Während andere sich in Linz vergnügten, sich aber unerklärlicherweise die Chance auf Original-Linzer-Torte entgehen ließen, schwitzte ich mit Einradhockey-Kollegen Günther und Knut aus Bremen, sowie Valerian aus Berlin als „OMG“ (was eigentlich für Ole-Malte-Günther stehen sollte, nur das Malte gekniffen hat) beim 3×3-Einradbasketball gegen lauter französische Cracks, die teilweise tags zuvor noch im Basketball-A-Finale standen. Einradbasketball benutzt fast 1:1 die normalen Basketball-Regeln. Wichtigste Anpassung: ein Schritt = eine halbe Radumdrehung. Ansonsten ist es natürlich nicht erlaubt den Ball zu spielen, wenn man vom Einrad absteigt, was SEHR oft passiert, wenn man nicht schon so professionell auf der Stelle auf dem Einrad hüpfen kann. Heute stand 3×3-Basketball auf dem Programm, es wird nur auf einen Korb gespielt und drei Spieler*innen je Team wechseln sich mit Angriff und Abwehr ab.

Geht der rein?

Es war unglaublich anstrengend, nach jedem Spiel hätte ich ich mein Trikot auswringen können, aber es hat sehr viel Spaß gemacht! Wir konnten sogar ein Spiel für uns gewinnen, auch immer einige Körbe erzielen, waren aber ansonsten ziemlich chancenlos.

OMG vs. Casse Rayons („Gebrochene Speichen“ wie ich jetzt weiß)

Fast alle Spiele konnten wir über die ganzen 16 Minuten spielen. Nur bei den letzten beiden Spielen gegen Weltmeister Swish und Vizeweltmeister Woom war vorzeitig Schluss, da die Gegner bereits 21 Punkte erzielt hatten. Nichtsdestotrotz machte es natürlich Spaß gegen die frischgebackenen Einradbasketball-Weltmeister ein Paar (nagut drei) Körbe zu werfen.

Der Wurf wurde von Swish einfach mal abgeblockt
OMG vs. Weltmeister „Swish“

Am Ende erzielten wir als einzige Nicht-Franzosen Platz 10 von 11.

Criterium

Im Rennradsport ist es schon länger bekannt, bei der Einrad-WM wird dieser Wettbewerb meines Wissens erst zum zweiten Mal ausgetragen. Criterium ist ein Straßenrennen, bei dem es gilt, auf einer sehr kurvenreichen Strecke mit Harnadelkurven und Zickzacks so schnell wie möglich mehrere Runden zu absolvieren.

Vor der Spitzkehre

Heute war der Kurs auf der Stadionlaufbahn so aufgebaut, das durch hin und her eine Runde ungefähr einen Kilometer lang war. Nach vier Runden war das Ziel erreicht. Das habe ich zum ersten Mal ausprobiert und fand es sehr spaßig.

Schräglage

Als Teilnehmer*in musste man sich entscheiden, ob man ein kleines Einrad nimmt, mit dem man in den Kurven wendiger ist oder ob man ein großes Einrad nimmt und auf den Gerade schneller sein kann. Ich bin wieder mit meinem 36er „Monstereinrad“ angetreten und konnte mich von Runde zu Runde enger in die Kurven legen. Auf den Geraden konnte ich auch ein paar Konkurrenten mit kleineren Einrädern überholen. Mit den jüngeren Einradfahrer*innen konnte ich aber trotzdem nicht mithalten, dabei sein ist alles!

Überholtempo auf der Geraden!

Kenia

Bisher waren wir nur ein paar Mal mit einem Dresdner Team für jeweils ein Wochenende zum jährlichen Einradhockeyturnier in Steyr. Dieses Jahr haben die Steyrer gleich die ganze Einradweltmeisterschaft organisiert. Diesem Ruf folgten neben uns noch weitere 1200 Einradfahrer*innen aus der ganzen Welt!

Einradtransport zur WM

Nachdem wir gestern schon unser Zimmer im Studentenheim bezogen, machten wir heute einen kleinen Stadtrundgang. Dabei komen wir zwangsläufig am Zusammenfluss von Enns und Steyr vorbei, liefen über die Zwischenbrücke zum Stadtplatz von dort weiter zur Pfarrkirche, in der schon Bruckner aktiv war. Zurück ging es durch den Schlosspark und vorbei am Schloss.

Zusammenfluss von Enns und Steyr
Gasse zum Stadtplatz und die Schlossauffahrt
Pfarrkirche
Galileothermometer im Schlosspark

Am Nachmittag nahmen wir dann an der Einradparade mit hunderten Einradfahrer*innen durch die Innenstadt teil. Ziel der Parade war die Stadthalle in Tabor, der Steyrer Oberstadt, wo noch die Eröffnungszeremonie stattfand. Da die drei angemeldeten kenianischen Teilnehmer*innen nicht zur Parade da waren, übernahm ich kurzerhand die kenianische Flagge absolvierte so mit Bruno und Norbert aus meinem Team die Parade als Kenianer.

Einradparade

Die Inseln der Lagune

Nachdem wir die letzten Tage kreuz und quer durch Venedig gelaufen waren, wollten wir nun die Lagune per Vaporetto, dem Wasserbus erkunden. Auf zu Fondamente Nove im Norden von Venedig. Von dort fahren einige Vaporetto-Linien weg von Venedig in die Lagune. Auf die Idee sind auch einige andere gekommen. An den zwei kleinen Schaltern am Pier stehen die ersten Schlangen. Die 48-Stunden-Karte kostet für Touristen momentan stolze 30 € pro Nase. Ein Schutzpreis, damit die Vaporetti nicht komplett überlaufen werden? Ja, ich denke schon! Auch an den Piers der Linien 4, 5 und 12 in Richtung Friedhofsinsel stehen sehr lange Schlangen bis über die komplette Ponte Donà! Also greifen wir zu Trick 17, fahren zunächst mit einer der Ringlinien ohne Wartezeit eine Haltestelle in die andere Richtung zum Ospedale und steigen dort dann ebenfalls ohne Warteschlange direkt wieder in die entgegengesetzte Richtung ins nächste Boot und fahren über Fondamente Nove und Cimitero nach Murano.

Vaporetto 4.1 von Fondamente Nove

Murano ist eine weitere kleinere Gruppe von Inseln in der Lagune von Venedig, die ebenfalls durch Kanäle getrennt und ein paar Brücken verbunden sind. Auch Murano hat einen Canale Grande, durch den auch die Vaporetti fahren, um dann wieder nach Venedig zurückzukehren.

Muranos Canale di San Donato mit Basilica dei Santi Maria e Donato

Murano ist über die Grenzen Venedigs hinaus für seine Glaskunst bekannt. So führte uns ein Spaziergang durch die weiten Gassen Muranos und entlang des Canale di San Donato vorbei an der Basilica dei Santi Maria e Donato, in der gerade eine Messe gehalten wurde zum Museo del Vetro – dem Glaskunstmuseum, einer weiteren Station unseres Museum Pass. Jetzt könnte man denken – Glaskunstmuseum – nichts anfassen- langweilig! Weit gefehlt! Ein Raum des Museums war alleine Spielzeug aus Glas gewidmet und ausprobieren erwünscht.

Museo del Vetro – Hüpfspiel mit Glasplatten

Neben einem Hüpfspiel, das die behüpften Felder, welche mit Mosaiken aus typischen Glaskunstmotiven gestaltet waren, aufleuchten lässt, gab es unter anderem außerdem eine Glasrennbahn für funkferngesteuerte Rennautos – wer knallt nicht zu oft an die Glasbanden und unterbietet die Rundenbestzeit von 30 Sekunden? Im Museum gab es natürlich auch sehr viel Glaskunst zu bewundern. Am interessantesten fanden wir jedoch die Videos, in denen man sehen konnte wie die unterschiedlichen Glasobjekte entstehen. Aus einem heißen Glasknubbel entstehen durch Zupfen hier und Ziehen dort wie von Zauberhand kleine Figürchen mit Armen, Beinen und Zehen.

Umfangreiche Vitrinen im Museo del Vetro

In Murano gibt es auch aktive Glaswerkstätten, die Führungen anbieten und natürlich auch große Verkaufsausstellungen haben. Bei einer von diesen haben wir noch der ältesten Glaskünstlerin Muranos zugesehen, wie sie Glasperlen herstellte, welche dann wiederum Ausgangsmaterial für andere Glaskünstler ist. Von Murano Faro dem Leuchtturm ging es dann mit dem Vaporetto weiter zur nächsten Inselgruppe – Burano.

Jetzt dauerte die Fahrt etwas länger, Burano liegt etwas weiter weg von Venedig und die Vaporetti fahren auch nicht so oft wie nach Murano. Kaum vom Schiff gestiegen sah man am Hafen schon eine laaaaange Schlange von Menschen, die wieder mit dem Schiff von Burano weg wollten. Wie ist das dann eigentlich im Sommer? Wir mussten uns dann beeilen, um vom Hafen rechtzeitig zum Piazza Baldassare Galuppi zu kommen, wo neben der Chiesa di San Martino mit ihrem schiefen Glockenturm (überhaupt gibt es in und um Venedig einige schiefe Glockentürme, der schiefe Turm von Pisa ist eigentlich gar keine Besonderheit) auch das kleine Museo del Merletto di Burano angesiedelt ist, welches aber nur noch 30 Minuten offen hatte.

Piazza Baldassare Galuppi mit Museo del Merletto di Burano – bitte lächeln!

Burano ist nämlich für seine Spitzenkunst bekannt, also Häkeleien.

Museo del Merletto – lebende Häklerin bei der Arbeit

Ca‘ Rezzonico

Auch am Canale Grande gelegen, allerdings in der Nähe der Ponte dell’Accademia ist die Ca‘ Rezzonico, ein Palazzo mit dem Museum des Venedigs des 18. Jahrhunderts.

Empfangssaal im Ca‘ Rezzonico mit falschen Säulen und Galerien

In den großen Sälen wurde so getrickst, dass sie noch größer wirkten als sie eigentlich waren. Säulen und Statuen waren nur inklusive passender Schatten auf die Wände aufgemalt und die Decke wurde durch vorgetäuschte und nur gemalte Galerien künstlich erhöht.

Kunstvoll verzierte Möbel und Bilder im Saal mit farblich passenden Wandstoffen und Vorhängen
Es gab tatsächlich auch Betten!

Auf dem Campo Santa Margherita wollte ich mal bei dem alten Comicladen nach dem rechten sehen, es gibt ihn tatsächlich noch, nur wird gerade gemalert. Na zumindest ein Gelato ließ sich hier noch genießen, bevor es zum zweiten Museum des Tages ging.

Wegen Renovierung geschlossen – Comicladen am Campo Santa Margherita

Es war das Museum Storia Naturale – das Naturkundemuseum. Ein Dino-Fossil aus der Sahara durfte nicht fehlen. Leider war hier alles nur italienisch beschriftet, eindrucksvoll wenn nicht erschreckend oder bemitleidenswert (die armen Tiere!) waren die vielen vielen ausgestopften Tiere: Elefant, Giraffe, Vögel, Löwen, Albinos, Siamesische Zwillinge, Ameisen, Fische, ach einfach alles!

Tierpräparate bei der vergleichenden Anatomie
Fischpräparate im Neturkundemuseum

Sternenversteck

Beim Brötchen-Holen schwelgte ich etwas in Erinnerungen und besuchte das Hotel des letzten Venedig-Besuchs – dort hat sich seit 20 Jahren anscheinend nicht viel verändert.

Hotel Boccassini in der Nähe der Fondamente Nove

Gestärkt von den Panini tipo Caserecci wandelten wir erstmal auf den Spuren von Scipio, Prosper und Bo aus Cornelia Funkes Kinderbuch „Herr der Diebe“, das hauptsächlich in Venedig spielt. In einem der Häuser an der Calle del Paradiso konnte man sich durchaus das Sternenversteck der Kinder in dem alten Cinema „Stella“ vorstellen.

Sternenversteck in der Calle del Paradiso?

Um einen Eindruck zu bekommen, wie Scipio wohl bei seinen Eltern im Palazzo gewohnt haben könnte suchten wir danach zwei ebensolche Palazzi auf, die zufälligerweise zwei unserer Museum-Pass-Museen beherbergten. Diese lauteten auf die imposanten Titel: „Ca‘ Pesaro, Galleria Internazionale d’Arte Moderna + Museo d’Arte Orientale“ und „Museo di Palazzo Mocenigo e Centro Studi di Storia del Tessuto e del Costume“. Beide Palazzi liegen im Sestiere „Santa Croce“, das Ca‘ Pesaro direkt am Canale Grande, der Palazzo Mocenigo ganz in der Nähe aber etwas weiter hinten.

Im Ca‘ Pesaro gab es moderne Bilder und Skulpturen gemischt mit Fotos des letzen großen Hochwassers in Venedig zu sehen. In der obersten Etage wurden wir noch von einer umfangreichen Sammlung japanischer Samurai-Rüstungen und -Schwertern sowie Wandschirmen, Porzellan- und Holzkunstarbeiten überrascht. Mir fiel noch auf, dass sich unter die reichhaltig verzierten und lackierten Holzschächtelchen zur Aufbewahrung frischer Kräuter ein schnöder Shogi-Stein gemischt hatte und dass einige der Münzen falschherum lagen.

Im Palazzo Mocenigo ging es vor allem um die Familiengeschichte der Mocenigo von denen es einige zum Dogen von Venedig schafften. Ausgestellt waren in den Palazzo-typischen Empfangs-, Speise- und Festsälen (gab es auch Betten und Toiletten?) auch Möbel, wobei die Wandstoffbespannung natürlich passend zu Vorhängen und Möbelpolstern war, viele Kleider aus der Zeit der Mocenigo und das alles wurde erleuchtet von Murano-Glas-Kronleuchtern. Da wir recht spät dran waren, wurden die Sälen hinter einem teilweise direkt geschlossen, damit dann pünklich um 17 Uhr der ganze Palazzo verschlossen werden konnte und das Museumspersonal Feierabend machen konnte.